Freitag, 24. August 2012

Halbegoistisches Nähen

Egoistisches Nähen, altruistisches Nähen, halbegoistisches Nähen oder gar narzistisches Nähen .... jede Näherin handhabt das etwas anders. Immer wieder gern lese ich die Betrachtungen von Michou zu diesem Punkt und bin bei der Lektüre geneigt mich ebenfalls in eine Nähmotiv-Schublade einzuordnen.
Gar nicht so einfach. Ich nähe sehr gern für mich und auch gern für andere, vor allem für meine Nichten, den Neffen, andere Familienmitglieder oder auch mal für eine Kollegin. Konkrete Aufträge behagen mir nicht, es darf gern eine subtile und zarte Anfrage sein oder von mir ein spontanes Angebot "ich nähe dir was, wenn Du magst".




Ich bin ich mir nicht sicher, ob das Nähen für andere nicht auch in die Kategorie egoistisch fällt, denn es ist schon eine besondere Freude den Dank der Nähprojekt-Empfänger entgegen zu nehmen, sich etwas in der Begeisterung zu sonnen und stolz zu sein, wenn das genähte Stück im Alltag getragen oder benutzt wird. Die ziemlich sichere Anerkennung der anderen für ein genähtes Stück hat einen ganz besonderen Reiz. Schließlich ist es vermutlich die erlebte oder erhoffte Anerkennung von anderen, die uns soviele schöne Näh- und Strickblogs beschert, wer etwas geschaffen hat, zeigt es gern her und freut sich über Zustimmung und Lob. Da ist schon eine Ladung von (schadlosem) Egoismus dabei, wie ich finde und darum oute ich mich als mindestens halbegoistische Näherin, auch bei Projekten für andere ;-).

Für meine Kollegin habe ich einen Bleistiftrock genäht. Ein spontanes Angebot von mir, ohne konkreten Anlass.

Der Stoff macht den Rock besonders und das gemeinsame Stöbern im Stoffladen hat uns beiden viel Spaß gemacht. Stretch-Baumwolle mit teilweisem Velourdruck, oder so ähnlich, in Farbe und Struktur ein wirklich schönes Material für einen Rock in Kleidergröße 38.

Montag abend zugeschnitten, Donnerstag morgen überreicht - so fix kann es gehen, wenn man nicht selber vor dem Spiegel die Passform anpassen muss, sondern ganz flink am lebenden Objekt die Nadeln stecken kann. Weite, Länge, Abnäher - alles rasch am komplett gehefteten Modell gesteckt und abends genäht.

 
Dann die zweite Anprobe am Mittwoch, abends Futter und Saum - fertig ! In der Mittagspause Fotos für den Blog und alle sind glücklich ;-)

Kommentare:

  1. Hallo Liebe Antje

    Also ich stufe das für-sich-selber-nähen absolut nicht als egoistisch ein. Ist es denn nicht erlaubt mal etwas gutes nur für sich selber zu tun, ohne immer an andere denken zu müssen ? Ich finde schon !! Denn die meisten von uns die selber stricken und nähen, beglücken auch auch das Umfeld immer wieder mal mit selbstgemachten und so darf man sich diese Freiheit ohne schlechtes Gewissen herausnehmen. Und zudem finde, dass grade selber gemachtes sowieso nur an Leute verschenkt werden darf, die das auch zu schätzen wissen. Zuviel Liebe und Zeit steckt dahinter für jemanden der den Aufwand nicht würdigt. Habe ich leider kürzlich grade selber wieder erfahren müssen. Also nähe ruhigen Gewissens weiter für Dich solche schönen Unikate:-))

    Herzliche Grüsse wiedermal aus der Schweiz
    Jolanda

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  2. Der Rock steht deiner Kollegin ganz wunderbar! Und die Stoffauswahl habt ihr toll hingekriegt. Hätte ich auch genommen ;-))

    Und Jolandas Worte finde ich sehr zutreffend!

    Gruß Marion

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  3. super der Rock und da bin ich doch auch inzwischen etwas EGO, denn die viele Mühe mache ich mir meist auch für mich selbst oder Menschen die es schätzen und lieben.


    Grüße Ramgad

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  4. Ich liebe Deinen Näh- und Strick-Egoismus! Was wären wir ohne die Teile von Dir? Genormte, unauffällige Kindergarten-/Stadtbummel-und Arbeitswesen. Und dann müssten wir auch noch auf diesen schönen Blog mit den tollen Fotos verzichten. Ist schon schön so.

    Zum Bleistiftrock fällt mir nur ein: WHOW!

    Liebste Grüße,
    Ulrike

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  5. Ein irrsinnig schöner Rock ist Dir da gelungen, den wirst Du sicher oft an der Trägerin bewundern können!
    Zu Deinen egoistischen oder nicht egoistischen Überlegungen, die ich ja sehr interessant finde, kann ich voll und ganz Jolanda zustimmen, und noch den Spruch hinterher schieben "wer sich selbst nichts gönnt, ist geizig!" Ein gesundes Maß "ich und dann die anderen" ist doch völlig okay, und man übt ja auch mit den eigenen Sachen dafür, dass die, die man gerne und mit Freude für "die Anderen" macht, besonders schön werden...
    Hab eine gute Woche, liebe Grüße
    Regina

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